Samstag, 12. März 2016

Wie ich mit Working Out Loud zu meinem Traumjob kam

Januar 2009. Ich arbeitete in einem höchst technischen Bereich an der Einführung und Inbetriebnahme von Software in die Produktionsumgebung eines grossen Finanzdienstleisters. Sehr wenig diverse Belegschaft, überwiegend männlich, weiss, deutsch. Viele Meetings und Telefonkonferenzen, Powerpointschlachten, zwischendurch Anpassung von archaischen Shell-Skripten, die Fachabteilung beruhigen und dem Hosting-Vendor hinterherjagen. Gerne Arbeiten und Bereitschaft an Wochenenden, wurde ja extra vergütet.

Mir bis heute nicht ganz klar, wie ich dort hineingeraten bin. Aber nun war ich dort, eher unglücklich und ohne wirklichen Ausweg. Aber es war halt ein Job, der die Hypothek bezahlte.

Dann las ich von einem neu gestarteten Microblogging-Service namens Yammer. Ich meldete mich spaßeshalber an. Die Website wollte meine Arbeits-Emailadresse. Da vor mir sich schon ein anderer Kollege angemeldet hatte, hatte er damit ein neues Netzwerk gegründet, und alle anderen Mitglieder mit derselben Email-Domäne traten automatisch diesem Netzwerk bei.

Spannenderweise gab es dort die Möglichkeit, noch andere Kollegen einzuladen. Dadurch wuchs das Netzwerk extrem schnell, und kurze Zeit später tummelten sich auf der Plattform mehrere tausend Mitarbeiter.

Niemand wusste so genau, was das alles sollte. Die meisten Fragen gingen über Sinn und Zweck der Plattform und deren Funktionalitäten. Aber es war auch mehr: Menschen stellte Fragen zu allen mögliche Themen und bekamen in Kürze hilfreich Antworten. Es wurden Gruppen gegründet zu fachlichen Themen, aber auch zum Reisen, Schachspielen und Motorradfahren. Der Umgangston war nett, höflich und zuvorkommend. Dieses völlig unregulierte Experiment zeigte, dass es einen Bedarf in der Belegschaft nach Austausch und Vernetzung gab.

In Deutschland, und vor allem in dem Bereich, in dem ich mich befand, war die Plattform höchst umstritten. Ich war begeistert davon, verteidigte und promotete sie gegenüber kritischen Kollegen. Auf der Platzform war ich aktiv: ich vernetzte mich, schrieb Statusmeldung darüber, was ich tat, und half anderen Kollegen. Ich war sichtbar. Heutzutage würde man das wohl am ehesten mit Working Out Loud bezeichnen.

Wenige Monate später beendete Compliance das Experiment. All das Wissen und Know-How, das Intellectual Property, lag auf einer amerikanische Plattform, mit der wir nie einen Vertrag hatten. 

Kurz danach bekam ich einen Anruf aus New York, von einem unserer Managing Directors, der auch selbst auf der Plattform sehr aktiv war, den ich nur von dort kannte, und dem ich dort positiv aufgefallen war.
Er fragte mich, ob ich für ihn arbeiten wollte, eine eigene interne Plattform aufzubauen und Communities of Practice zu gründen.
Seitdem arbeite ich in meinem Traumjob für John Stepper.


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